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der Hauptmann von Köpenick - Drama

Interpretation


Das Drama “Der Hauptmann von Köpenick” beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich am 16. Oktober 1906 in Berlin und Köpenick ereignete. Der Schuster Wilhelm Voigt ist ein arbeits –und wohnungsloser, siebenfach vorbestrafter Mann. Vergeblich versucht er in dieser bürokratischen und militarisierten Zeit Arbeit oder einen Paß zu bekommen. Wo er hinkommt wird er als Aussetziger behandelt und man wirft ihm vor, nicht genügend Achtung vor dem deutschen Vaterland zu besitzen. Voigt versucht verzweifelt in das Berliner Paßamt einzudringen und sich einen Paß zu erstellen. Er wird jedoch gefaßt und verhaftet. Während seiner Gefängniszeit lernt Voigt alles über Militär und Militärordnung. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, stellen sich ihm die selben Probleme wie zuvor. Verzweifelt kommt er schließlich bei seiner Schwester und deren Mann unter. Nach einigen Wochen soll er jedoch endgültig aus dem Deutschen Reich ausgewiesen werden und so entschließt sich Voigt zu handeln. Er kauft sich von einem jüdischen Trödler eine Offiziersuniform und begibt sich in Richtung Potsdamer Kaserne. Vor der Kaserne angekommen, befiehlt er zwei Wachen bestehend aus insgesamt 12 Mann mit ihm nach Köpenick zu fahren, die Mission sei geheim und sehr wichtig. In Köpenick schließlich läßt er das Rathaus abriegeln und den Bürgermeister festnehmen. Nun will sich Voigt einen Paß ausstellen lassen, zu seinem Unmut muß er aber feststellen, daß in Köpenick kein Paßamt existiert. So läßt er sich nur die Ortskasse aushändigen. Der Bürgermeister und sein Schatzmeister werden schließlich in Gewahrsam genommen und nach Berlin gebracht. Dort fliegt der Schwindel natürlich auf und alle Zeitungen berichten sarkastisch über die Geschichte des “Hauptmanns von Köpenick” einem Ort in dem es nicht einmal eine Kaserne gibt. Einige Tage später stellt sich Voigt der Polizei unter der Bedingung einen Paß zu bekommen. Voigt kommt schließlich ohne weitere Freiheitsstrafe frei, doch seinen Paß will er gar nicht mehr haben. Wilhelm Voigt verbringt insgesamt 30 seiner 57 Lebensjahre im Gefängnis und will nun nur noch seinem Lebensabend entgegenschauend in der Heimat leben und ein wenig seinen Ruhm auskosten.


Dieses Drama läßt sich eigentlich relativ leicht interpretieren. Das Verhalten der Menschen im Umgang mit dem Ex-Sträfling Voigt zeigt, wie sehr die Gesellschaft damals Wert lag auf Recht und Ordnung. Die Zeit war extrem geprägt von militärischer Ordnung und bürokratischer Rechtsauslegung. Jedem der gedient hat, stehen mehr oder weniger alle Türen offen bei Wohnungs -oder Arbeitssuche. Wer eine Uniform trägt wird geachtet. Wie sehr dieses Verhalten ausgeprägt ist zeigt, daß ein vorher unbedeutender Mann durch eine Uniform plötzlich Ansehen und Macht erhält ohne sich als Mensch verändert zu haben. Zuckmayer will zeigen wie wenig Wert damals auf menschliche Werte gelegt wurde und wie Uniformshörig die Gesellschaft war. Es wurde damals wenig eigenverantwortlich gehandelt, die Menschen dachten nicht darüber nach was richtig oder falsch war, denn dafür waren andere sprich das Militär und der Kaiser zuständig.

Charakterisierung:


Wilhelm Voigt hat viel in seinem Lenen erlebt, er war insgesamt dreißig Jahre im Gefängnis und steckt im Teufelskreis der Behörden. Trotzdem ist er anständig, höflich und damit sympathisch geblieben. Ob einer solchen Vorgeschichte ist das nicht selbstverständlich, man zweifelt ob so jemand ohne Bitterkeit leben kann. Er glaubt nicht wie so viele andere an Recht und Ordnung in Deutschland, weil er genau das Gegenteil erfahren hat.
Mit seinem Geniestreich zeigt er seine gute Auffassungsgabe, dass man nämlich mit der militärischen Äußerlichkeit alles erreichen kann. Wenn man etwas vorgibt zu sein, das Respekt einflößt kann man Erfolg haben, auch. Wichtig ist eben nicht, wie wichtig man ist, sondern wie wichtig man wirkt.
Das merkt er in der umgedrehten Weise auch, als er sich um eine Anstellung bewerben will, aber ohne Anhörung aufgrund seines Äußeren rausgeworfen wird.

 

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Zuckmayer produziert einen volkstümlichen Helden, der mit seiner Geschichte Gesellschaftskritik, Antimilitärisches und Sozialgefühl vermittelt ohne plump belehrend zu sein. Expressionismus kann man übersetzen mit Ausdruckskunst. Die expressionistische Literatur gibt die Dinge nicht so wieder wie sie gesehen werden, sondern wie sie empfunden werden. Und dieses besondere innere Erleben vermittelt auch Zuckmayer durch seine Figuren in genialer Weise.

 

Es zeigt, wie man sich zum blinden Narren macht, wenn man den Menschen nur auf seine nach außen vorgegebene Hülle reduziert.

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