Texterörterung |
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Überall daheim |
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HUBERT KALTENBACH |
In der paradiesischen Ferien- welt will jeder frei sein, seine Ge- fühle ausleben und vor allem von niemandem gegängelt werden. Der Urlaub als Sinnbild des Para- dieses, als Mythos eines erfüllten Lebens. Übersehen wird dabei, daß wir in einer perfekt inszenierten Kon- sumwelt landen, in der die Ur- laubsmacher das Sagen haben. Ihre verführerische Werbespra- che weckt unsere geheimen Lü- ste, und ihren globalen Vermark- tungsstrategien vertrauen wir uns blind an. Sie sorgen für einen opti- malen Produktionsablauf, sie be- stimmen, wo die schönsten Strände liegen. Die Paradiese wer- den dort eröffnet, wo sie von den Veranstaltern als profitabel ausge- wählt worden sind. Die zunehmende Standardisie- rung der Ferienräume erübrigt darüber hinaus immer mehr die Überlegung, wohin denn die Reise gehen soII. Die Hotelpaläste in Cancun unterscheiden sich kaum noch von denen auf Mallor- ca. Das Paradies ist austauschbar. Also entscheiden der Preis und der Bauch, wohin es den in den Ferien gehen soll. Die industrialisierte Urlaubs- form setzt sich immer mehr durch. Jede zweite Reise ist inzwi- schen eine Pauschalreise..... Selbstbestimmte Formen des Reisens gelten als zunehmend ver- staubt, perfekt inszenierte Ur- laubswelten, in denen die Einge- borenen auf Befehl für uns tan- zen, liegen im Trend. Angesteuert wird der vertraute Kreis der gro- ßen Reisefamilie, in der man um- hätschelt und rundum versorgt wird. Eigentlich schade. |
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Die Ferien sind da. Die halbe
aus: Gmünder Tagespost, 29.07.1999 |
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