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Text-Erörterungen/6

Lösungsvorschlag - Fortsetzung

 

 

Doch genau hier setzt die Kritik von Herrn Kaltenbach an. Er zeigt deutlich auf, dass ein Ausscheren aus der "perfekt inszenierten Konsumwelt" reine Illusion ist. Nicht wir bestimmen, was erholsam für uns ist, sondern die "Werbesprache" suggeriert uns zum Beispiel Erholung in Fahrten mit dem gemieteten Geländewagen. Auf der eingeimpften Suche nach Grenzerfahrungen und Nervenkitzel betreiben wir Pseudosportarten wie "Canyoning" oder "Funcarving" und tun dabei doch nur genau das, was die "Vermarktungsstrategien" für uns vorgesehen haben. Nicht wir bestimmen, was sehenswert ist, sondern "Veranstalter" präsentieren uns Sehenswürdigkeiten in perfekt erschlossenen, klischeehaften Bilderbuchlandschaften. Wenn wir mit gepanzerten Wagen durch Nationalparks fahren und wilde Tiere in ihrer Umgebung stören, glauben wir auch noch an ein besonderes Naturerlebnis. Nicht wir bestimmen, worauf wir Lust haben, sondern "Urlaubsmacher" "wecken unsere geheimen Lüste". Wir quälen uns entgegen allen Empfehlungen der Mediziner in sengender Hitze an Pools und Stränden und sprechen dabei auch noch von Entspannung.

 

Könnten wir uns nämlich wirklich von der "Standardisierung der Ferienräume" befreien, würden wir schnell feststellen, dass das "Paradies" tatsächlich "austauschbar" ist. Wir müssten zu der Erkenntnis kommen, dass Erholung als körperlicher und seelischer Ausgleich von Alltagsbelastungen mit ganz wenigen Mitteln, in unserer unmittelbaren Umgebung zu finden ist. Jedoch kaum einer kennt heute noch seine heimatliche Landschaft, ihre Geschichte und geografische Entstehung. Wer erkennt schon das Erreichen selbstgesteckter Ziele beispielsweise einer einfachen Fußwanderung als die wahre Zerstreuung, nach der wir uns so sehnen? Nicht die Entfernung unseres Reiseziels von der Heimat entscheidet doch über den Erholungswert des Urlaubs, sondern dass wir die Zwänge und Erwartungen unseres medien- und konsumgeprägten Alltags nicht mit auf die Reise nehmen.

 

Wenn man also dem Verfasser des Artikels einen Vorwurf machen könnte, so den, nicht weit genug mit seinen Schlussfolgerungen gegangen zu sein. Seiner Grundaussage kann ich mich jedoch nur anschließen: Der Tourist von heute möchte "überall daheim" sein, weil alles was ihm laut den Anpreisungen der Tourismusindustrie zu seiner Erholung zu fehlen scheint, nur die geografische Lage seines Aufenthaltsortes sei, nicht aber der Mut, selbst die Initiative zu ergreifen.

 

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