11. / Veränderungen der geopolitischen Lage Österreichs / Transitproblem / Geopolitische Entwicklung und ihre Folgen

 

Veränderungen der politischen Grenzen Österreichs und ihre Folgen:

 

Transitproblem:

 

Bis zum Jahr 1989 verlief die Hälfte der österreichischen Staatsgrenze entlang des ehemals kommunistischen Blocks, was sich auf die ökonomische Position dieser Grenzgebiete nachteilig auswirkte.

 

Österreich ist ein Transitland.

Bis zur Öffnung der Ostgrenzen 1989 waren die Verkehrsverbindungen nach Nordosten und Osten nicht gut ausgebaut bzw. sogar unterbrochen. Seit Öffnung der Grenzen herrscht auch in diesem Bereich ein hohes Verkehrsaufkommen und noch mehr Transitverkehr durch Österreich.

 

 

Die Position Österreichs als Transitland bringt positive und negative Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt. Die Vorteile für den Wirtschaftsstandort Österreich werden in manchen Regionen durch eine hohe Schadstoff- und Lärmbelastung erkauft.

 

z.B.: Tiroler Transitautobahnen:

 

Transit in der sensiblen Alpenregion Tirol

 

Der für ein besseres Wirtschaftswachstum bekannte freie Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union hat auch negative Auswirkungen. Ein Großteil der Güter wird über die Straße und nicht über die Schiene oder Wasserwege transportiert. Besonders die Anrainer an den Transit-Autobahnen und -Schnellstraßen sind Belastungen wie Lärm, Feinstaub und Schadstoffen ausgesetzt.

 

Besonders spüren das die Menschen in den Alpen. In den engen Tälern gibt es einen geringeren Luftaustausch wie beispielsweise im windigen Flachland, dies bedeutet automatisch eine höhere Konzentration an Schadstoffen in der Luft. Mit der Brennerautobahn und anderen Transitrouten sind Teile der Region Tirol genau von diesem Problem betroffen.

 

Der Warenverkehr zwischen Österreich, Italien und Deutschland rollt Größtenteils durch das Wipptal, Eisacktal, Inntal und Etschtal. Am Brenner zwischen Nord-Tirol (Österreich) und Südtirol (Italien) werden jedes Jahr neue Rekorde, was die Zahl der Fahrzeuge über die Straße betrifft, gebrochen.

 

Keine Lösung in Sicht

Die Politik hat es bis dato komplett verschlafen, brauchbare Lösungen zur Eindämmung des Transitproblems auf den Tisch zu legen - geschweige denn umzusetzen. Strengere Abgas- und Lärmvorschriften sowie die kilometerbezogene Maut und steigende Spritpreise haben die Zunahme des Verkehrs nicht verhindert. In der EU gibt es das Recht auf freien Warenverkehr und das Recht auf einen gesunden Lebensraum – jetzt stellt sich die Grundsatzfrage welches Recht stärker ist.

 

Widerstand gegen den Alpentransit

In Tirol formiert sich eine immer stärker werdende Anti-Transit-Lobby. Einerseits möchten die Transitgegner neue Straßenbauprojekte wie z.B. den Ausbau der Spange Außerfern – Reschenpass mit dem Tschirgant-Tunnel verhindern und andererseits wird mit regelmäßigen Autobahnblockaden auf das Verkehrsproblem im unteren Inntal und im Wipptal aufmerksam gemacht.

 

Gruppen aus Nord - Tirol und Südtirol beginnen sich zunehmend zu vernetzen, um gemeinsame Aktionen zu starten. In der vom Tourismus abhängigen Region ist eine intakte Natur auch von enormem wirtschaftlichem Interesse. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es in Südtirol und Nordtirol neben den „Transittälern“ auch noch sehr viele Seitentäler mit bester Luftqualität und intakter Natur für unvergessliche Ferien das ganze Jahr über gibt.

 

ev. Lösungen für das Transitproblem:

 

.) G e n e r e l l e s N a c h t f a h r v e r b o t für Lkw

.) 28-t-Limit für Lkw (In der Schweiz beträgt das höchstzulässige Gesamtgewicht

für Lkw 28 t und in Österreich .38 t)

.) Schwerverkehr durch LKW-Maut teurer machen

.) die Schienenverbindungen ausbauen

 

Geopolitische Entwicklung und ihre Folgen:

 

Habsburgermonarchie:

Außenhandel war relativ gering, nach innen verflochtener Wirtschaftsraum.

Wien war das politische und kulturelle Zentrum des Großstaates und auch die modernste Industrieregion der österreichischen Reichshälfte.

 

Vom Großstaat zum Kleinstaat:

Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 war Wien der ökologische Verlierer, denn Wien war nicht mehr das zentrale Wirtschaftsgebiet (alle Nachfolgestaaten versuchten ihre eigene Wirtschaft aufzubauen). Was bisher Binnenhandel war wurde nun zum Außenhandel.

Der neue Kleinstaat war in den 20er- und 30er- Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Außenhandel mit den eher feindlich gesinnten Nachfolgestaaten der Monarchie angewiesen. Dies wirkte sich bei der Versorgung mit Lebensmittel und Energie, aber auch beim Absatz der hochwertigen Produkte der Verarbeitungsindustrie aus.

1920 entfielen ca. 42% der österreichischen Exporte und 50% der Importe auf diese Staaten.

Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot (in den Zeiten der schlimmsten Arbeitslosigkeit in den frühen 30er- Jahren war rund die Hälfte der Wiener Arbeiter ohne Arbeit).

 

Österreich als Teil des Deutschen Reiches:

Für das nationalsozialistische Deutschland war Österreich von großer wirtschaftlicher Bedeutung und auch seine geopolitische Lage (strategisch) interessant.

 

Die Zweite Republik bis 1989:

Nach 1945 und besonders nach der Errichtung des Eisernen Vorhangs wendete sich Österreich dem Westen zu (starke Westorientierung).

In der zweiten Hälfte der 1950iger und der ersten Hälfte der 1960iger Jahre war das so genannte „Wirtschaftswunder“ für die westlichen Industrienationen, wo Österreich natürlich mit dabei war. Nur Ostösterreichs Grenzregionen hatten wirtschaftlich einen Nachteil durch den Eisernen Vorhang (hatten wenig Arbeitsplätze und dadurch einen starken Bevölkerungsrückgang).

 

Österreich „wieder im Herzen Europas“:

Durch den Fall des Eisernen Vorhangs und den Beitritt vieler Nachbarstaaten aus dem Osten zur EU ist Österreich heute wieder in einer Mittelpunktlage. Auch Wien hat wieder größere Chancen für eine Neupositionierung.

Mit der EU-Erweiterung seit 2004 kann die Ostregion wieder grenzüberschreitende Kooperationen durchführen und damit wirtschaftlich zusammenwachsen; z.B.: mit der 2003 gestarteten Initiative „CENTROPE“ =>

http://haus-und.heimat.eu/geographie/regionale_entwicklungspfade_im_vergleich_2.htm

 

 

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